Wo Weisheit zu finden ist

Hiob 28

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1 Denn für das Silber gibt es einen Fundort und für das Gold einen Platz, wo man es läutert.
2 Eisen wird aus dem Erdenstaub gewonnen, und Gestein schmilzt man zu Kupfer.

Die ersten beiden Verse dienen als Einführung in das Thema dieses Gedichts, ohne das Thema zu verraten.

    • Die hier genannten Metalle haben mehrere Gemeinsamkeiten:
      • Sie alle müssen in der Erde gesucht werden.
      • Es ist eine Menge Arbeit, sie aus der Erde zu holen.
      • Sie alle müssen verarbeitet werden, bevor sie nützlich werden.
      • Sie alle haben einen großen Wert, weshalb es sich lohnt, sie zu suchen, abzubauen und zu veredeln.
    • Die erste Erwähnung von Silber und von Goldbesitz findet sich in 1. Mose 13.

Und Abram war sehr reich geworden an Vieh, Silber und Gold. – 1. Mose 13,2

    • Das Verb „läutern“ wird auch verwendet, um zu veranschaulichen, wie Gott die Menschen von Sünde reinigt.

Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen; er wird die Söhne Levis reinigen und sie läutern wie das Gold und das Silber; dann werden sie dem HERRN Opfergaben darbringen in Gerechtigkeit. – Maleachi 3,3

    • Die ersten Erwähnungen von Eisen und Erz stammen aus der Zeit vor der Sintflut.

Und auch Zilla gebar, und zwar den Tubal-Kain, den Meister aller Handwerker in Erz und Eisen. – 1. Mose 4,22a

    • Das Verb „schmelzen“ bedeutet gießen und wird auch als Redewendung für das Beten verwendet.

HERR, in der Drangsal suchten sie dich; sie flehten leise in der Bedrängnis, als deine Züchtigung sie traf. – Jesaja 26,16

Die Verse 3 bis 11 beschreiben den alten Bergbauprozess, durch den die oben genannten Mineralien gewonnen wurden.

3 Man macht der Finsternis ein Ende und forscht alles vollkommen aus; selbst das Gestein, das in Finsternis und Dunkelheit liegt.

    • Der erste Schritt in einem erfolgreichen Bergbaubetrieb ist ein Plan.
      • Du musst wissen, wo die Mineralien sind.
      • Du musst herausfinden, wie du am besten zu ihnen kommst.
      • Du musst wissen, wie du sie von ihrer Umgebung trennen kannst.
      • Du musst wissen, wie man sie an die Oberfläche bringt.
      • Du musst bestimmen, welche Ausrüstung benötigt wird, um all diese Aufgaben zu erfüllen.

4 Einen Schacht bricht man auf von da aus, wo man wohnt; wie vergessen, ohne ihren Fuß aufzusetzen, baumeln und schwanken sie, weit weg von den Menschen.

    • Der zweite Schritt besteht darin, einen Schacht bis zu den Mineralien zu schneiden. Dies wurde erreicht, indem Arbeiter mit ihren Werkzeugen in einem Korb in den Schacht abgesenkt wurden.

5 Aus der Erde kommt zwar Speise hervor, aber unter ihr ist’s wie vom Feuer durchwühlt.

    • Hitze wurde oft verwendet, um den Stein zu knacken, damit er entfernt werden konnte, was bedeutet, ein großes Feuer in dem Loch zu entfachen.

6 Ihr Gestein ist der Fundort des Saphirs, und Goldstaub ist in ihr.

    • Dies sind Beispiele dafür, wonach der Bergmann sucht.

7 Ein Pfad [ist’s], den kein Raubvogel kennt und den auch das Auge des Habichts nicht erspäht,
8 den auch das stolze [Wild] nicht betreten hat, auf dem der Löwe nicht geschritten ist.

    • Der Weg führt ihn an einen Ort, an dem Mensch und Tier noch nie gewesen sind.

9 [Der Mensch] streckt seine Hand nach dem Felsgestein aus, wühlt die Berge um von Grund auf.
10 Er treibt Stollen in die Felsen, und sein Auge erfasst alles, was kostbar ist.
11 Die Ströme hat er eingedämmt, damit sie nicht durchsickern, und er bringt das Verborgene hervor ans Licht.

    • All dies ist eine Menge harter, gefährlicher und zeitraubender Arbeit. Also holt er alles, was er von Wert findet, aus der Mine.

12 Aber die Weisheit, wo wird sie gefunden, und wo ist der Fundort der Einsicht?

Jetzt endlich, in Vers 12 finden wir das Thema, das lautet: Wo kann Weisheit gefunden werden?

13 Der Sterbliche kennt ihren Wert nicht, und im Land der Lebendigen wird sie nicht gefunden.

Die Verse 13 bis 19 vergleichen den Wert der Weisheit mit den Schätzen der Erde.

    • Der Mensch kennt seinen Wert nicht, noch verstehen sie den.

Wie viel besser ist es, Weisheit zu erwerben, als Gold, und Einsicht zu erwerben ist begehrenswerter als Silber! – Sprüche 16,16

Erwirb Weisheit, erwirb Verständnis; vergiss sie nicht und weiche nicht ab von den Reden meines Mundes! Verlass du sie nicht, so wird sie dich bewahren; liebe du sie, so wird sie dich behüten!  Der Anfang der Weisheit ist: Erwirb Weisheit, und um allen deinen Erwerb erwirb Verstand! Halte sie hoch, so wird sie dich erhöhen; sie wird dich ehren, wenn du sie umfängst. – Sprüche 4,5-8

14 Die Tiefe spricht: »Sie ist nicht in mir!«, und das Meer: »Sie ist nicht bei mir!«

    • Unter der Erde sind Schätze zu finden, aber wo findet man Weisheit?

15 Mit Feingold kann man sie nicht bezahlen, und Silber kann nicht als ihr Kaufpreis abgewogen werden.
16 Um Gold von Ophir ist sie nicht zu haben, auch nicht um köstlichen Onyxstein und Saphir.
17 Gold und Glas kommt ihr nicht gleich, noch kann man sie eintauschen gegen ein goldenes Gerät.
18 Korallen und Kristall gelten nichts gegen sie, und der Besitz der Weisheit geht über Perlen.
19 Der Topas aus Kusch ist ihr nicht zu vergleichen; mit reinem Gold wird sie nicht aufgewogen.

    • Alle Schätze der Welt reichen nicht aus, um Weisheit zu kaufen.
      • Fünf Arten von Gold: Feingold, Gold von Ophir, Gold, ein goldenes Gerät, reinem Gold.
      • Silber.
      • Sieben Arten von Juwelen: Onyx, Saphir, Glas, Koralle, Kristall, Perle und Topas.

Was nützt das Geld in der Hand des Narren; soll er Weisheit kaufen in seinem Unverstand? – Sprüche 17,16

20 Woher kommt denn nun die Weisheit, und wo ist die Fundstätte der Einsicht?

Die Frage aus Vers 12 wird in2 Vers 20 wiederholt.

21 Sie ist verborgen vor den Augen alles Lebendigen und vor den Vögeln des Himmels versteckt.
22 Der Abgrund und der Tod sprechen: »Wir haben mit unseren Ohren ein Gerücht von ihr gehört!«

Die nächsten beiden Verse beschreiben die Unfassbarkeit der Weisheit.

    • Die menschliche Unwissenheit der Weisheit.
    • Die Blindheit der Natur gegenüber der Weisheit.
    • Die mögliche Weisheit im Totenreich. Aber es ist zu spät, etwas Gutes zu tun.

23 Gott hat Einsicht in ihren Weg, und er kennt ihre Fundstätte.
24 Denn Er schaut bis zu den Enden der Erde und sieht alles, was unter dem Himmel ist.

Gott ist der Einzige, der die Wege der Weisheit kennt und weiß, wo sie zu finden ist, denn er ist allwissend.

Der HERR besaß mich am Anfang seines Weges, ehe er etwas machte, vor aller Zeit. – Sprüche 8,22

25 Als er dem Wind sein Gewicht gab und die Wasser abwog mit einem Maß,
26 als er dem Regen sein Gesetz bestimmte und dem donnernden Unwetter seinen Weg:
27 Da hat er sie gesehen und verkündigt, sie bestätigt und ergründet,

Himmel und Erde wurden nach Gottes unendlicher Weisheit erschaffen.

Der HERR hat die Erde durch Weisheit gegründet und die Himmel durch Einsicht befestigt. Durch seine Erkenntnis brachen die Fluten hervor und träufelten die Wolken Tau herab. – Sprüche 3,19-20

28 und er sprach zum Menschen: »Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und vom Bösen weichen, das ist Einsicht!« Job 28

Da Gott der Besitzer von Weisheit ist, ist es Weisheit, ihn zu fürchten!

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit; sie macht alle einsichtig, die sie befolgen. Sein Ruhm bleibt ewiglich bestehen. – Psalm 111,10

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht. – Sprüche 9,10

Der HERR ist erhaben; ja, er wohnt in der Höhe; er hat Zion mit Recht und Gerechtigkeit erfüllt. Und du wirst sichere Zeiten haben, eine Fülle von Heil, Weisheit und Erkenntnis; die Furcht des HERRN, die wird [Zions] Schatz sein. – Jesaja 33,5-6

Den Gottlosen mangelt es jedoch an Weisheit.

Ein Urteil über die Abtrünnigkeit des Gottlosen [kommt] aus der Tiefe meines Herzens: Die Gottesfurcht gilt nichts vor seinen Augen! – Psalm 36,2

Denn weil die Welt durch [ihre] Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben. – 1. Korinther 1,21

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft; denn es steht geschrieben: »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen«. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? – 1. Korinther 1,18-20

Vier Wege, wie Gott in seiner Weisheit mit uns umgeht:

    • Gnade

HERR, deine Gnade reicht bis zum Himmel, … – Psalm 36,6a

    • Treue

…deine Treue bis zu den Wolken! – Psalm 36,6b

    • Gerechtigkeit

Deine Gerechtigkeit ist wie die Berge Gottes, … – Psalm 36,7a

    • Gericht

…deine Gerichte sind wie die große Flut; du, o HERR, rettest Menschen und Tiere. – Psalm 36,7b

Vier Sachen, die er uns nach seiner Weisheit gibt.

    • Zuflucht

Wie köstlich ist deine Gnade, o Gott, dass Menschenkinder Zuflucht finden unter dem Schatten deiner Flügel! – Psalm 36,8

    • Wonne

Sie laben sich an den reichen Gütern deines Hauses, mit dem Strom deiner Wonne tränkst du sie. – Psalm 36,9

    • Leben

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, … – Psalm 36,10a

    • Licht

…in deinem Licht schauen wir das Licht. – Psalm 36,10b

Erweise deine Gnade auch weiterhin denen, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit denen, die aufrichtigen Herzens sind! – Psalm 36,11

 

 

Das Teil der Gottlosen

Hiob 27,13-23

Im letzten Podcast haben wir gesehen, wo Hiob diese Frage gestellt hat…

Denn was für eine Hoffnung hat der Frevler, wenn Gott [ihn] abschneidet, wenn Er ihm seine Seele entzieht? – Hiob 27,8

Jesus könnte diese Stelle im Sinn gehabt haben, als er gefragt hat…

Denn was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert? Oder was kann der Mensch als Lösegeld für sein Leben geben? – Matthäus 16,25

13 Das ist das Teil des gottlosen Menschen von Gott, und dies das Erbe, das die Gewalttätigen empfangen von dem Allmächtigen:
14 Wenn seine Kinder sich mehren, so ist’s für das Schwert, und seine Sprösslinge können sich nicht am Brot sättigen.
15 Die ihm noch übrig bleiben, sinken durch die Pest ins Grab, und ihre Witwen beweinen sie nicht.

Damals konnte man den Reichtum eines Mannes daran messen, wie viele Kinder er hatte. Aber wenn seine Kinder alle im Krieg oder an einer Pest sterben, was bleibt dann übrig?

16 Wenn er auch Geld zusammenscharrt wie Staub und Kleider aufhäuft wie Straßendreck
17 — er bringt sie zwar zusammen, aber der Gerechte wird sie anziehen, und das Geld wird der Unschuldige erben.

Eine zweite Möglichkeit, Reichtum zu bestimmen, ist Geld, aber wenn ein Mann stirbt, wird sein Geld von jemand anderem ausgegeben, und was profitiert er davon?

18 Er baut sein Haus wie die Motte, und wie die Laubhütte, die sich der Wächter macht.

Noch ein anderer Weg, den Reichtum eines Mannes zu messen, ist sein Haus, aber wenn er stirbt, wird ein anderer darin wohnen.

19 Reich legt er sich hin, und noch ist ihm nichts weggenommen; er schlägt die Augen auf, und nichts ist mehr da!
20 Schrecken ergreift ihn wie eine Wasserflut, der Sturmwind führt ihn über Nacht davon.
21 Ein Ostwind hebt ihn empor, und er fährt dahin; er rafft ihn von seiner Stätte hinweg.

Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast? – Lukas 12,20

22 Schonungslos schleudert Er [Geschosse] nach ihm, eiligst muss er fliehen vor seiner Hand.
23 Man klatscht über ihn in die Hände und zischt ihn aus von seinem Wohnort her.

Was ist die Antwort darauf?

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden. – Matthäus 16,24-25

Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann wird er jedem Einzelnen vergelten nach seinem Tun. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich! – Matthäus 16,27-28

Die Gottlosen leben und sterben, ohne das Reich Gottes gesehen zu haben, aber diejenigen, die in Christus sind, werden das Reich Gottes nicht nur sehen, sie werden es in Ewigkeit genießen.

Freunde sollen helfen

Hiob 27,1-12

1 Und Hiob setzte seine Rede fort und sprach:
2 So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzogen, und der Allmächtige, der meine Seele verbittert hat:
3 Ja, solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch Gottes in meiner Nase,
4 sollen meine Lippen nichts Verkehrtes reden und meine Zunge keine Lüge aussprechen!

Trotz allem, was ihm widerfahren war, war Hiobs Glaube an Gott nicht ins Wanken geraten.

Obwohl er zu dieser Zeit Gottes Absichten nicht gekannt oder verstanden hat, hat er darauf vertraut, dass, was auch immer die Gründe waren, alle Dinge seinen Besten dienen werden.

Hiob hat  bei Gott geschworen, der ihm das Leben gegeben hat, dass er immer die Wahrheit sagen würde, ohne sie irgendwie zu verdrehen.

Er hat auch deutlich gesagt, dass ihr Versuch, ihn davon zu überzeugen, dass seine Bedrängnisse auf seine Sünde zurückzuführen waren, völlig erfolglos war.

5 Fern sei es von mir, dass ich euch recht gebe; ich werde mir meine Unschuld nicht nehmen lassen bis an mein Ende!
6 Ich halte an meiner Gerechtigkeit fest und werde sie nicht loslassen; mein Gewissen straft mich über keinen meiner Tage!

Hiob hatte ein reines Gewissen, aber seine Ratgeber hatten nun Grund zur Sorge wegen ihrer falschen Anschuldigungen.

Damals erhielt ein falscher Ankläger die Strafe, die für den Angeklagten gelten würde, wenn er schuldig gewesen wäre.

Diese falschen Anschuldigungen hat Hiob dazu geführt, dass er gewünscht hat, dass sie auch gemäß ihren falschen Anschuldigungen bestraft würden.

7 Meinem Feind aber ergehe es wie dem Gottlosen, und meinem Widersacher wie dem Übeltäter!
8 Denn was für eine Hoffnung hat der Frevler, wenn Gott [ihn] abschneidet, wenn Er ihm seine Seele entzieht?

Die Luther-Übersetzung sagt richtig Heuchler statt Frevler:

Denn was ist die Hoffnung des Heuchlers, wenn Gott ein Ende mit ihm macht und seine Seele hinreißt? – Hiob 27,8 (1912 Luther)

Jetzt würden Hiobs Schuhe an ihren Füßen sein. Wäre ihr Ton dann anders? Würden sie sich als gerecht erweisen, wie Hiob es getan hatte?

9 Wird Gott sein Geschrei erhören, wenn Not über ihn kommt?
10 Wird er an dem Allmächtigen seine Lust haben, wird er Gott anrufen zu jeder Zeit?

Wir müssen vorsichtig sein, andere zu beurteilen, wenn wir nicht in ihren Schuhen gegangen sind.

Hiob hat seine Freunde angefleht, zuzuhören und zu lernen.

11 Ich will euch über die Hand Gottes belehren und euch nicht verhehlen, was bei dem Allmächtigen gilt.
12 Siehe, ihr selbst habt es alle gesehen — warum schwatzt ihr dann nichtiges Zeug?

Hiob hat Freunde gebraucht, die ihm beistanden und ihn unterstützten, aber anstatt ihm aufzuhelfen, haben sie ihn unten gehalten.

Gott helfe uns, unseren Freunden eine Hilfe zu sein!

Der allmächtige Gott

Hiob 26,5-14

5 Die Schatten werden von Zittern erfasst unter den Wassern und ihren Bewohnern.
6 Das Totenreich liegt enthüllt vor Ihm, und der Abgrund hat keine Decke.

Die Schatten hier sind die Schatten des Todes, die jeden erwarten und durch die wir alle am Ende unseres Lebens gehen müssen.

Der Punkt, den Hiob hier macht, ist jedoch, dass nicht einmal der Tod den Menschen vor dem Angesicht Gottes verbergen kann.

Totenreich und Abgrund sind dem HERRN bekannt, wie viel mehr die Herzen der Menschen! – Sprüche 15,11

In den Versen 7 und 8 werden zwei weitere Veranschaulichungen seiner Größe und Macht gegeben.

    • Der erste ist aus dem Kosmos:

7 Er spannt den Norden aus über der Leere und hängt die Erde über dem Nichts auf.

    • Der zweite stammt aus der Erdatmosphäre:

8 Er bindet die Wasser in seinen Wolken zusammen, und das Gewölk zerreißt nicht unter ihrem Gewicht.

Habt ihr euch jemals gefragt, warum wir den Himmel nicht von der Erde aus sehen können? Hiob sagt, es liegt daran, dass Gott es zugedeckt hat, um uns daran zu hindern, es zu sehen.

9 Er verschließt den Anblick des Thrones, er breitet sein Gewölk darüber.

In Vers 10 beschreibt Hiob ein Phänomen, das normalerweise nicht von der Erde aus beobachtet werden kann, aber Hiob verstand, dass es Gott war, der den Horizont als Linie zwischen Licht und Finsternis errichtete.

10 Er hat einen Kreis abgesteckt auf der Oberfläche der Wasser bis zur Grenze von Licht und Finsternis.

Die nächsten drei Verse listen 3 zusätzliche mächtige Taten Gottes auf, die die Natur regulieren. Dies sind alles Dinge, die die Kanaaniter den Göttern zuschrieben.

    • Gott kontrolliert die Vulkane:

11 Die Säulen des Himmels erbeben und erschrecken vor seinem Schelten.

    • Gott kontrolliert die stürmischen Meere:

12 Durch seine Kraft erregt er das Meer, und mit seinem Verstand zerschlägt er das Ungeheuer.

    • Wenn der Himmel klar ist, kontrolliert Gott auch das:

13 Durch seinen Hauch wird der Himmel klar; mit seiner Hand durchbohrt er die flüchtige Schlange.

Hiob sagt, dass dies nur ein kleiner Teil dessen ist, was wir sehen können, was Gott tut, vielleicht der äußerste Rand.

14 Siehe, das sind die Umrisse seiner Wege; wie leise ist das Wort, das wir davon vernehmen! Aber den Donner seiner Macht — wer versteht ihn?

Hiob behauptete nicht, Gott zu verstehen, nur musste er es tun, alles, was Hiob brauchte, war sein Glaube, und das war eine Sache, die Satan ihm nicht nehmen konnte.

Keine guten Berater

Hiob 26,1-4

1 Und Hiob antwortete und sprach:
2 Wie hast du doch den Ohnmächtigen unterstützt und dem machtlosen Arm geholfen!
3 Wie hast du den beraten, dem Weisheit fehlt, und Einsicht in Fülle mitgeteilt!
4 Wen hast du mit deinen Worten getroffen, und wessen Odem ist aus dir hervorgegangen?

Diese ersten vier Verse sind schwer zu übersetzen. Stellt Hiob Fragen oder ist er nur sarkastisch?

    • Wenn es eine Frage ist, fragt er, wie Bildad jemandem geholfen hat, während er gleichzeitig andeutet, dass er dies nicht getan hat.
    • Wenn es Sarkasmus ist, geht er direkt zur Sache und sagt, Bildads Worte hätten niemandem wirklich geholfen. Die Bedeutung ist im Grunde dieselbe.

Hiob ist in beiden Fällen der Ohnmächtige, aber seine Hinweise auf einen Mangel an Weisheit und Einsicht sind eindeutig sarkastisch, da er Bildad nicht für weiser hielt als sich selbst.

Der Sinn der Frage in Vers vier ist in der Übersetzung nicht klar. Was er wirklich fragt, ist, woher deine Weisheit kommt?

Diese Frage stellt sich jede Generation. Es gibt immer Leute, die mit sechzehn meinen, alle Antworten zu haben, obwohl sie die Fragen nicht einmal kennen.

Wir haben Menschen, die noch nie verheiratet waren, die Ratschläge zur Ehe geben, Menschen, die noch nie Kinder hatten, die andere bei der Erziehung ihrer Kinder beraten, und Menschen, die nie eine Arbeit hatten oder alleine gelebt haben, die Ratschläge zur finanziellen Verantwortung geben.

Die Frage ist daher angebracht, woher haben sie ihre Weisheit?

Das Problem hier im Buch Hiob ist, dass wir drei Leute haben, die versuchen, ihn zu trösten, die keine Erfahrung haben, aus der sie ihren Rat ziehen können, aber sie werden trotzdem beredt mit Ratschlägen.

​Die Anweisungen, die Salomo an seinen Sohn schrieb, sind auf diese Situation anwendbar.

Ihr Söhne, gehorcht der Unterweisung des Vaters, und gebt acht, damit ihr zu unterscheiden wisst! Denn ich habe euch eine gute Lehre gegeben; verlasst meine Weisung nicht! Denn da ich noch als Sohn bei meinem Vater war, als zartes und einziges Kind unter den Augen meiner Mutter, da lehrte er mich und sprach zu mir: Dein Herz halte meine Worte fest; bewahre meine Gebote, so wirst du leben! Erwirb Weisheit, erwirb Verständnis; vergiss sie nicht und weiche nicht ab von den Reden meines Mundes! Verlass du sie nicht, so wird sie dich bewahren; liebe du sie, so wird sie dich behüten! – Sprüche 4,1-6

Was können wir von Hiobs Ratgebern lernen?

    • Mehr zuhören als reden.
    • Höre auf den Rat von Leuten mit Erfahrung.
    • Gehe nie davon aus, dass du alle Antworten hast.

 

Das Menschenkind, der Wurm!

Hiob 25

​Dies ist die letzte Rede von Hiobs drei Freunden.

1 Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach:
2 Herrschaft und Schrecken sind bei Ihm; Frieden schafft Er in seinen Höhen.

In dieser Rede spricht Bildad erneut von Gott als transzendent über den Menschen.

Herrschaft und Schrecken sind zwei Ideen, die mit Souveränität zu tun haben.

    • Gottes Herrschaft erstreckt sich über die gesamte Schöpfung.
    • Die ganze Schöpfung fürchtet ihn.

Dass er Frieden in seinem Königreich schafft, zeigt, dass er ein erfolgreicher Herrscher ist.

3 Sind seine Scharen zu zählen? Und über wem erhebt sich nicht sein Licht?

    • Seine Engelscharen können vom Menschen nicht gezählt werden.
    • Die Reichweite seines Königreichs ist unendlich groß.

Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. – Johannes 1,9

4 Wie kann aber der Sterbliche gerecht sein vor Gott, und wie will der rein sein, der von der Frau geboren ist?

Bildad gibt zwei Gründe an, warum er glaubt, dass ein Mensch vor den Augen Gottes nicht gerecht und rein sein kann.

    • Denn er ist sterblich.
    • Denn er ist von einer Frau geboren.

Wie Adam, macht Bildad Eva für die Sterblichkeit des Menschen verantwortlich, da sie die erste war, die die Frucht aß.

Im Neuen Testament macht Paulus Adam dafür verantwortlich.

Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hingelangt ist, weil sie alle gesündigt haben – Römer 5,12

5 Siehe, sogar der Mond leuchtet nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen
6 — wie viel weniger der Sterbliche, die Made, und das Menschenkind, der Wurm!

Bildad bietet den Mond und die Sterne als Beweis dafür an, dass der Mensch in Gottes Augen wertlos war.

Er vergleicht den Menschen mit einer Made.

Maden und Würmer sind mit Tod und Sterblichkeit verbunden.

In nur zwei anderen Stellen werden Menschen mit Würmern verglichen.

Jakob wird in Jesaja 41:13-14 ein Wurm genannt.

Denn ich, der HERR, dein Gott, ergreife deine rechte Hand und sage dir: Fürchte dich nicht; ich helfe dir! So fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, du Häuflein Israel; denn ich helfe dir, spricht der HERR, und dein Erlöser ist der Heilige Israels. – Jesaja 41,13-14

In Psalm 22 identifiziert sich der Messias mit dem sterblichen Menschen, indem er sich selbst als Wurm bezeichnet.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. – Psalm 22,7

Wie kann aber der Sterbliche gerecht sein vor Gott?

Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen in Sieg! – 1. Korinther 15,53-54

Dies kann nur durch die Vermittlung eines unsterblichen Stellvertreters geschehen, bei dem der Stellvertreter sein Leben für das Leben des anderen opfert.

Das hat Jesus für uns getan.

Gibt es einen Tag des Gerichts?

Hiob 24

1 Warum sind vom Allmächtigen nicht Zeiten [des Gerichts] aufbewahrt, und warum sehen die, welche ihn kennen, seine Tage nicht?

Das Erste, was uns an Hiob 24 auffällt, ist die Ähnlichkeit mit dem Anfang von Psalm 73.

Ich aber — fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Fehltritt getan! Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah. Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod, und ihr Leib ist wohlgenährt. – Psalm 73,2-4

Das Argument von Hiobs Freunden war, dass Gott immer die Schuldigen bestraft und dass Hiob daher schuldig sein muss, da er leidet, was in ihren Augen einer Bestrafung gleichkommt.

Inzwischen hat Hiob darauf hingewiesen, dass ihre Sichtweise Mängel aufweist, da die Schuldigen manchmal frei leben dürfen, als ob sie nichts falsch gemacht hätten.

Das gleiche Problem wird im Buch Prediger diskutiert.

Ich sah dann auch, wie Gottlose begraben wurden und [zur Ruhe] eingingen, während solche, die recht gehandelt hatten, den heiligen Ort verlassen mussten und vergessen wurden in der Stadt; auch das ist nichtig! Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun. – Prediger 8,10-11

Um dieses Problem zu lösen, macht Hiob Gott einen Vorschlag.

Lege einen Gerichtstag fest, zum Beispiel jeden dritten Dienstag des Monats, um alle Sünder zu versammeln und ihnen die Strafe zu geben, die sie verdienen.

Jetzt beginnt Hiob, die Aktivitäten der Gottlosen zu beschreiben.

2 Man verrückt die Grenzen; sie rauben die Herde und weiden sie.
3 Den Esel der Waisen treibt man fort und pfändet die Kuh der Witwe.
4 Man jagt die Armen aus dem Weg, und die Elenden im Land müssen sich allesamt verbergen.

Was ist dann das Ergebnis dieser bösen Taten? Von Vers 5 bis Vers 12 beantwortet Hiob diese Frage.

5 Siehe, wie Wildesel in der Wüste ziehen sie zu ihrem Tagewerk aus, auf der Suche nach Nahrung; die Wildnis bietet ihnen Speise für die Kinder.
6 Sie ernten das Futter auf dem Feld und halten Nachlese im Weinberg des Gottlosen.
7 Entblößt bringen sie die Nächte zu; sie haben kein Gewand, und wenn es kalt wird, keine Decke.
8 Vom Regen der Berge werden sie durchnässt, und weil sie keine Zuflucht haben, klammern sie sich an den Felsen.
9 Man reißt das Waisenkind von der Brust, und was der Arme anhat, nimmt man als Pfand.
10 Entblößt gehen sie umher, ohne Gewand; sie müssen Garben tragen und hungern dabei.
11 Innerhalb der Mauern [der Reichen] pressen sie Öl; sie treten die Kelter und müssen doch Durst leiden.
12 Von der Stadt her ächzen Sterbende, und die Seele der Erschlagenen schreit; aber Gott achtet nicht auf das Unrecht.

Auf zwei Dinge weist Hiob als Unrecht hin: Dass die Bösen nicht bestraft werden und die Unterdrückten weiterhin unter ihren Händen leiden.

Hiob kehrt nun dazu zurück, die Bösen zu beschreiben.

13 Jene hassen das Licht, sie wollen seine Wege nicht kennen und bleiben nicht auf seinen Pfaden.
14 Bei Tagesanbruch steht der Mörder auf, um den Elenden und Armen umzubringen; in der Nacht aber ist er wie ein Dieb.
15 Das Auge des Ehebrechers wartet auf die Dämmerung; er spricht: »Kein Auge soll mich sehen!«, und verhüllt sein Angesicht.
16 In der Finsternis bricht man in die Häuser ein; bei Tag halten sie sich eingeschlossen; sie scheuen das Licht.

Dies erinnert uns an die Worte Jesu:

Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. – Johannes 3,19

Der Mörder, der Dieb und der Ehebrecher sind in dieser Angelegenheit alle gleich.

17 Denn für sie alle ist der Morgen gleich wie Todesschatten; denn sie sind vertraut mit dem Schrecken des Todesschattens.

Die Gottlosen haben eine seltsame Fixierung auf den Tod. Sie respektieren das Leben nicht, sei es das von jemand anderem oder von sich selbst.

18 Schnell treibt er auf der Oberfläche des Wassers dahin. Verflucht ist sein Erbteil auf Erden; sein Weg führt nicht durch Weingärten.
19 Wie Hitze und Sonnenglut die Schneewasser wegraffen, so das Totenreich die, welche gesündigt haben.

Für den Schreiber von Psalm 73 war es Trost, das Ende des Weges der Gottlosen zu sehen.

So sann ich denn nach, um dies zu verstehen; aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen — bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende achtgab. Fürwahr, du stellst sie auf schlüpfrigen Boden; du lässt sie fallen, dass sie in Trümmer sinken. Wie sind sie so plötzlich verwüstet worden! Sie sind untergegangen und haben ein Ende mit Schrecken genommen. – Psalm 73,16-19

Für Hiob war dies jedoch nicht zufriedenstellend, da er keinen Unterschied zwischen dem Ende der Gottlosen und der Gerechten sehen konnte.

20 Der Mutterschoß wird ihn vergessen, Würmer laben sich an ihm; nie mehr wird an ihn gedacht, und wie ein Baum wird [sein] Übermut gebrochen,
21 der die Unfruchtbare beraubte, die nicht gebar, und der Witwe nichts Gutes tat.

Das fehlende Urteil vor dem Tod führte dazu, dass der Sünder schnell vergessen wurde.

Hiob beschreibt nun das Ende aller anderen, zu denen auch er selbst gehört.

Hiob beschreibt nun das Ende der besten Menschen, die er als die Mächtigen bezeichnet, einer Gruppe, die ihn selbst einschließen würde.

22 Und Mächtige rafft er dahin durch seine Kraft; steht er auf, so ist man seines Lebens nicht mehr sicher.
23 Er gibt ihm Sicherheit, und jener verlässt sich darauf; und seine Augen [wachen] über ihre Wege.
24 Sie kommen hoch; aber wenig braucht’s, so sind sie dahin; sie sinken hin und werden zusammengerafft, wie alle anderen auch, und wie die Ährenspitze werden sie abgeschnitten.
25 Oder ist’s nicht so? Wer will mich Lügen strafen und meine Rede zunichtemachen?

Gerade als es so aussah, als würde alles gut laufen, brach alles zusammen und der Gerechte starb genauso wie der Gottlose.

Es bleibt also die Frage zu beantworten, gibt es einen Tag des Gerichts? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Ende des Göttlichen und des Gottlosen? Die Antwort ist ja, es gibt!

Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil. Denn siehe, die fern von dir sind, gehen ins Verderben – Psalm 73,26-27a

Wie Gold hervorgehen!

Hiob 23

1 Da antwortete Hiob und sprach:
2 Auch heute noch ist meine Klage bitter; die Hand, die mich trifft, presst mir schwere Seufzer aus!

Das Gewicht von Hiobs Prüfungen machte ihn verbittert, was zu Seufzen führte.

Dasselbe passiert manchmal im Leben eines jeden Gläubigen. Paulus sagt uns im Neuen Testament, dass der Heilige Geist, der in uns wohnt, uns in solchen Fällen zu Hilfe kommt.

Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. – Römer 8,26

Hiob hatte jedoch keinen Zugang zu denselben Vorteilen, da der Heilige Geist in der Zeit des Alten Testaments den Gläubigen nicht innewohnte, wie er es heute tut.

Hiob sprach weiter:

3 O dass ich wüsste, wo ich ihn fände, dass ich bis zu seinem Thron gelangen könnte!
4 Ich würde ihm [meine] Rechtssache vorlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen.
5 Ich möchte wissen, was er mir antworten, und erfahren, was er zu mir sagen würde.
6 Würde er in seiner Machtfülle mit mir streiten? Nein, er würde mich gewiss anhören.
7 Da würde ein Redlicher bei ihm vorsprechen, und ich würde auf ewig frei ausgehen von meinem Richter.

Hiob war der Meinung, dass er seinen Fall vortragen könnte, wenn er nur Gott finden könnte.

Schon früh äußerte er Zweifel, dass dies möglich sein könnte, aber jetzt scheint er zuversichtlich zu sein, dass er, wenn er die Gelegenheit erhält, seinen Fall vorzutragen, gerechtfertigt sein würde.

8 Wenn ich aber nach Osten gehe, so ist er nirgends; wende ich mich nach Westen, so bemerke ich ihn nicht;
9 wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so kann ich ihn nicht sehen.

Weißt du, manchmal fühlen wir uns ganz allein und können seine Anwesenheit nicht spüren, aber unsere Unfähigkeit, ihn zu spüren, bedeutet nicht, dass er nicht da ist!

Während wir weiterlesen, sehen wir, dass Hiob begann zu erkennen, dass Gottes Absichten, obwohl sie ihm unbekannt waren, zu seinem Besten dienten.

10 Ja, er kennt meinen Weg; wenn er mich prüft, so werde ich wie Gold hervorgehen!
11 Mein Fuß ist seinen Tritten gefolgt; seinen Weg habe ich bewahrt und bin nicht davon abgewichen;
12 vom Gebot seiner Lippen habe ich mich nicht entfernt; die Worte seines Mundes bewahrte ich mehr als meine Grundsätze.

Dies ist eine Erkenntnis, zu der wir alle kommen müssen: Gott kennt tatsächlich den Weg, den wir gehen, ob er gut oder schlecht ist.

In Hiobs Fall war er überzeugt, den richtigen Weg gegangen zu sein, da er in die Fußstapfen des Herrn trat. Oh, dass wir alle dasselbe sagen könnten!

13 Doch Er bleibt sich gleich, und wer will ihm wehren? Was er will, das tut er.
14 Ja, Er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und dergleichen hat er [noch] vieles im Sinn.

Hiob wusste nicht, was Gott tat, aber er war zuversichtlich, dass Gott nicht aufhören würde, bis sein Plan abgeschlossen war.

Paulus drückte dieselbe Zuversicht aus:

weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi. – Philipper 1,6

15 Darum schrecke ich zurück vor seinem Angesicht, und wenn ich daran denke, so fürchte ich mich vor ihm.

Gottes Absicht nicht zu kennen, machte Hiob Angst. Was hätte er vielleicht noch durchleben müssen, bevor Gott mit ihm fertig war?

16 Ja, Gott hat mein Herz verzagt gemacht, und der Allmächtige hat mich erschreckt.

Der HERR ist nahe bei denen, die zerbrochnes Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagen Gemüt haben. – Psalm 34,18

17 Damit ich [aber] nicht vergehe vor dem Anblick der Finsternis, hat er vor meinem Angesicht das Dunkel verdeckt.

Hiob beginnt endlich zu erkennen, dass die Tatsache, dass er nicht weiß, was Gott tut, eine gute Sache ist.

Hätte er Gottes Absicht gekannt, wäre die Wirkung anders gewesen.

Wie Hiob müssen wir lernen, Gott zu vertrauen.

 

 

 

 

Falsch angewendete gute Ratschläge

Hiob 22,12-30

12 Ist Gott nicht so hoch wie die Himmel? Sieh doch die höchsten Sterne, wie hoch sie stehen!

Eliphas glaubte, dass Hiob in diesem Punkt mit ihm übereinstimmen würde, aber er beschuldigte Hiob, daraus die falschen Schlussfolgerungen zu ziehen.

13 Und du denkst: »Was weiß Gott! Sollte er durch das Wolkendunkel hindurch richten?
14 Die Wolken sind eine Hülle für ihn, sodass er nicht sehen kann, und er wandelt auf dem Himmelsgewölbe umher!«

Wir wissen, dass Gottes Sicht nicht durch Entfernungen, Wolken oder irgendetwas anderes eingeschränkt ist, doch manchmal tappen wir in die gleiche Falle, dass wir nicht erkennen, dass Gott uns sieht, egal wo wir sind oder was wir tun.

15 Willst du den Weg der Vorzeit befolgen, den Pfad, auf dem die Frevler einhergingen,
16 die vor ihrer Zeit weggerafft wurden, deren Fundament der Strom wegriss,
17 die zu Gott sprachen: »Weiche von uns!«, und: »Was kann der Allmächtige einem schon tun?«
18 Und er hatte doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt! — Doch der Rat der Gottlosen sei fern von mir!

Eliphas verband diese Denkweise mit den Gottlosen, die in der Sintflut umkamen.

Denn wie sie in den Tagen vor der Sintflut aßen und tranken, heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging, und nichts merkten, bis die Sintflut kam und sie alle dahinraffte, so wird auch die Wiederkunft des Menschensohnes sein. – Matthäus 24,38-39

Wie es aber in den Tagen Noahs war, so wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein. – Matthäus 24,37

19 Als die Gerechten es sahen, freuten sie sich, und der Unschuldige spottete über sie:
20 »Fürwahr, unsere Widersacher sind vertilgt, und das Feuer hat ihren Überrest verzehrt!«

Die Gerechten in diesen Versen wären Noah und seine Familie.

Der Hinweis auf das Feuer ist interessant.

Es könnte sich um Blitze handeln, die vor der Flut ein unbekanntes Phänomen gewesen wären, oder um Lavaströme, die zu fließen begannen, als die Brunnen der Tiefe aufgebrochen wurden.

Auf jeden Fall wäre es eine beängstigende Sache gewesen, es zu sehen.

Ich kann mir vorstellen, dass Eliphas vor Angst zittert, als er diese Geschichte erzählt.

21 Versöhne dich doch mit Ihm und mache Frieden! Dadurch wird Gutes über dich kommen.
22 Nimm doch Belehrung an aus seinem Mund und lege seine Worte in dein Herz!
23 Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so wirst du aufgerichtet werden, wenn du die Ungerechtigkeit aus deinem Zelt entfernst.

Diese herrliche Botschaft der Buße war aufrichtig gemeint, aber Eliphas wusste nicht, dass sie in Hiobs Situation falsch angewendet wurde.

24 Wirf das Gold in den Staub und das Ophirgold zu den Steinen der Bäche,
25 so wird der Allmächtige dein Gold und dein erlesenes Silber sein!
26 Dann wirst du dich an dem Allmächtigen erfreuen und dein Angesicht zu Gott erheben;
27 du wirst zu ihm flehen, und er wird dich erhören, und du wirst deine Gelübde erfüllen.
28 Was du dir vornimmst, das wird gelingen, und ein Licht wird auf deinen Wegen leuchten.

Auch dies ist eine großartige Botschaft, die viele heute hören sollten, aber Hiobs Freude war bereits im Herrn, daher wurde die Botschaft schlecht auf ihn angewendet.

29 Wenn sie abwärts führen, so wirst du sagen: »Es geht empor!«, und wer die Augen niederschlägt, den wird er retten.
30 Er wird [selbst] den freilassen, der nicht unschuldig ist: Durch die Reinheit deiner Hände wird er befreit werden.

Eliphas sagte Hiob, wenn du nur Demut zeigen würdest, würde Gott dich retten.

Lass uns nicht denselben Fehler machen, sondern folgen wir lieber dem Rat von Jesaja 35,3-4:

Stärkt die schlaff gewordenen Hände und macht fest die strauchelnden Knie; sagt zu denen, die ein verzagtes Herz haben: Seid tapfer und fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und wird euch retten! – Jesaja 35,3-4

 

 

Die vielleicht begangene Sünde

Hiob 22,4-11

4 Straft er dich etwa wegen deiner Gottesfurcht, und geht er deshalb mit dir ins Gericht?

Nachdem sein Versuch, Hiob von seiner Sünde gegen Gott zu überzeugen, gescheitert ist, ändert Eliphas seine Taktik und beschuldigt Hiob des Versagens in seiner Beziehung zu anderen.

Es ist, als ob Eliphas sagte: „Du bist also vollkommen in der Frömmigkeit, was macht das für einen Unterschied? Offensichtlich bist du an etwas schuldig, sonst wären diese Probleme nicht über dich gekommen. Gott würde dich nicht ohne guten Grund quälen!“

5 Sind nicht deine Missetaten groß und deine Schulden ohne Ende?

Es gibt insgesamt sechs Substantive im Hebräischen, die für Sünde verwendet werden. Zwei davon werden hier verwendet.

    • „Missetaten“ ist das am häufigsten verwendete Wort für Sünde im Alten Testament, beginnend mit der Beschreibung des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen in 1. Mose 2,9. Es bringt die Implikation von etwas mit sich, das der Natur Gottes widerspricht. Eliphas war sich sicher, dass Hiobs Missetaten groß waren.
    • „Schulden“ bedeutet, was aus seinem richtigen Verlauf oder seiner Situation herausgekommen ist; alles, was moralisch verzerrt oder pervertiert ist. David schrieb in Psalm 32,2 „Wohl dem Menschen, dem der HERR keine Schuld anrechnet, und in dessen Geist keine Falschheit ist!“ Eliphas glaubte, Hiobs Schulden seien endlos.

Nach diesen Worten beginnt Eliphas mit seiner Auflistung der vielleicht begangenen Sünden Hiobs.

6 Du hast deine Brüder grundlos gepfändet und den Entblößten die Kleider ausgezogen;

Dies wurde später im Gesetz des Mose ausdrücklich verboten.

Ist er aber arm, so sollst du dich mit seinem Pfand nicht schlafen legen; sondern du sollst ihm sein Pfand unbedingt wiedergeben, wenn die Sonne untergeht, damit er in seinem Gewand schlafe und dich segne; so wird dir das als Gerechtigkeit gelten vor dem HERRN, deinem Gott. – 5. Mose 24,12-13

7 du hast dem Ermatteten kein Wasser zu trinken gegeben und dem Hungrigen das Brot verweigert.

Den Durstigen Wasser zu trinken und den Hungrigen Nahrung zu geben sind gute Dinge, die Gott auch segnet.

wenn du dem Hungrigen dein Herz darreichst und die verschmachtende Seele sättigst — dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag! Der HERR wird dich ohne Unterlass leiten und deine Seele in der Dürre sättigen und deine Gebeine stärken; du wirst sein wie ein wohlbewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, deren Wasser niemals versiegen. – Jesaja 58,10-11

Eliphas meinte, Hiob sei „eine übersättigte Seele, die auf die Honigseim mit Füßen treten wird“, während die Armen hungerten. (Sprüche 27,7a)

8 Dem Gewalttätigen gehört ja das Land, und der Angesehene wohnt darin.

Eliphas wirft Hiob vor, einer zu sein, der die Person ansieht, die es den Gewalttätigen und Reichen erlaubt hat, ohne Angst auf seinem Land zu wohnen.

9 Du hast Witwen leer fortgeschickt, und die Arme der Waisen wurden zerbrochen.

Wenn Hiob wirklich an all diesen Dingen schuldig wäre, würden wir alle Eliphas zustimmen, dass Hiob verdient hat, was immer er bekam.

Aber Hiob war an all diesen Dingen nicht schuldig, noch hatten seine Bedrängnisse etwas mit Sünde zu tun.

10 Deshalb waren rings um dich her Fallen, sodass dich plötzlich Schrecken überfiel.
11 Oder siehst du die Finsternis nicht und die Wasserflut, die dich bedeckt?

Eliphas glaubte, die Sache bewiesen zu haben, aber Hiob schien nicht überzeugt zu sein.

Eliphas stellte einen Vergleich zwischen Hiob und den Menschen vor der Sintflut her, die ihre Gefahr erst zu spät erkannten.

Dies könnte der älteste Hinweis auf die Sintflut in der Bibel sein, aber wir werden nicht lange auf den nächsten warten müssen, da Eliphas diesen Vergleich im nächsten Abschnitt erläutern wird.

Könnte Hiob einige dieser Sünden begangen haben?

Es ist möglich, aber es hat definitiv nichts mit der aktuellen Situation zu tun.

Eliphas lag schon wieder falsch!