Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?

Hiob 9,1-20

1 Da antwortete Hiob und sprach:
2a Wahrhaftig, ich weiß, dass es sich so verhält;

Hiob hat zu Beginn seiner Antwort auf Bildads Worte klar gemacht, dass seine Situation nicht die Folge von Unwissenheit war.

Hiobs Theologie war im Grunde die gleiche wie die seiner drei Freunde.

Sie alle haben geglaubt, dass Gott den Sünder bestraft und die Gerechten segnet und dass Leiden daher die Folge der Sünde ist.

Hiob war jedoch überzeugt, dass Gott ungerecht war, dies in seinem Fall anzuwenden.

Lass das Zeugnis von Hiob 1,1 in Erinnerung bleiben: Hiob „war ein untadeliger und rechtschaffener Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied.“

 2b und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?

Eliphas hat früher eine ähnliche Frage gestellt:

Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott, oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer? – Hiob 4,17

Hiob hat aber nicht gefragt „kann?“ sondern „wie kann?“. Danach hat er sich von ganzem Herzen ersehnt.

Bildads Vorwurf hat Hiobs Gedanken dem Thema Rechtfertigung zugewandt.

Bildad hat gesagt, „Siehe, Gott verwirft den Unschuldigen nicht, und er reicht auch keinem Übeltäter die Hand.“ (8,20)

Er hat geglaubt, dass Gottes Gerechtigkeit es erfordert, die Schuldigen zu bestrafen und die Unschuldigen zu segnen.

Hiob ist jedoch frustriert über seinen Versuch, sich selbst zu rechtfertigen. Wie kann er gerecht sein vor Gott?

Für Hiob hat es mehrere Probleme mit jedem Rechtfertigungsversuch gegeben.

Die erste davon war, dass Gottes Wege so viel höher waren als die des Menschen, dass der Mensch keine Chance auf eine mögliche Konfrontation hatte.

3 Wenn er mit Ihm rechten wollte, so könnte er Ihm auf tausend nicht eins antworten.
4 Er hat ein weises Herz und ist von ungebrochener Kraft; wer hat ihm je getrotzt und ist heil davongekommen?

Von Vers 4 bis Vers 13 finden wir ein Lied, in dem Hiob Gottes unglaubliche Kraft beschreibt.

Spezifische Handlungen, einschließlich der Erschaffung und Kontrolle des Universums, sind in den Versen 5 bis 10 aufgeführt.

5 Er versetzt Berge, und man merkt es nicht; er, der sie umkehrt in seinem Zorn.
6 Er stört die Erde auf von ihrem Ort, sodass ihre Säulen erzittern.
7 Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel.
8 Er allein spannt den Himmel aus und schreitet auf Meereswogen einher.
9 Er machte den Großen Bären, den Orion und das Siebengestirn, samt den Kammern des Südens.
10 Er tut große Dinge, die unerforschlich sind, und Wunderwerke ohne Zahl.

Hiob sieht Gottes Kraft als amoralische, souveräne Freiheit, als unkontrollierbare Kraft, die auf mysteriöse Weise arbeitet, um zu tun, was er will.

11 Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht.
12 Siehe, wenn er dahinrafft, wer kann ihn hindern? Wer kann ihm zurufen: Was machst du da?

Sogar die mächtigen Kräfte, von denen angenommen wurde, dass sie das Meer kontrollieren, mussten sich vor ihm verneigen.

 13 Gott lässt von seinem Zorn nicht ab; selbst Rahabs Helfer müssen sich unter ihn beugen.
14 Wie viel weniger könnte ich ihm da antworten, und Worte finden, um mit ihm zu reden!

Wenn sich alle Heerscharen von Himmel und Erde vor ihm verneigen, wie kann dann ein Mensch vor ihn stehen?

15 Auch wenn ich im Recht wäre, könnte ich ihm nichts erwidern, sondern müsste meinen Richter um Gnade anflehen.

Hiob hat geglaubt, seine einzige Chance sei, um Gnade zu bitten. Dies hat jedoch auch fruchtlos zu sein geschienen, da es so geschienen hat, als würde Gott sowieso nicht aufpassen.

16 Wenn ich rufe, wird er mir antworten? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört;
17 denn im Sturm zermalmt er mich und fügt mir ohne Ursache viele Wunden zu.
18 Er lässt mich nicht einmal Atem holen, sondern sättigt mich mit bitteren Leiden.

Hiob hat auch ein anderes Problem gesehen: Es hat keine einberufende Behörde gegeben, die in der Lage war, einen Prozess abzuhalten, bei dem Gott beschuldigt werden konnte.

19 Kommt’s auf die Kraft des Starken an, siehe, er hat sie, und wenn aufs Recht, wer lädt mich vor?

Wenn ein solcher Prozess abgehalten würde, wer könnte ein Urteil zugunsten Hiobs durchsetzen?

20 Wenn ich mich auch rechtfertige, so wird mich doch mein Mund verurteilen, und bin ich auch untadelig, so wird er mich doch für verkehrt erklären.

Bevor wir Hiob zu hart beurteilen, sollten wir uns daran erinnern, dass Gott nicht wirklich wütend auf Hiob war. Gott hat Hiob sehr geliebt, lässt aber diese Prüfung von Hiob zu, um zu beweisen, dass Satan in Hiob falsch liegt.

Wir sollten auch wissen und verstehen, dass Gott manchmal zulässt, dass Satan uns aus demselben Grund prüft. Es zeigt, dass er uns für prüfenswert hält.

Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, dass ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet – 2. Thessalonicher 1,5

Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden. – 2. Timotheus 3,12

 

Der Herr der Ernte

Matthäus 9,35-38

35 Und Jesus durchzog alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündigte das Evangelium von dem Reich und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk.
36 Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter.
38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende!

Während der gesamten Zeit, in der Jesus in Galiläa war, änderte sich sein Dienst nicht.

Und Jesus durchzog ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und verkündigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk. – Matthäus 4,23

Sein Dienst hat aus drei Sachen bestanden.

Er hat in die Synagogen gelehrt.

    • Er die heiligen Schriften vorgelesen.

Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Und es wurde ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben; und als er die Buchrolle aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben steht: »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, um zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.« – Lukas 4,16-19

    • Er den Inhalt erklärt.

Und er rollte die Buchrolle zusammen und gab sie dem Diener wieder und setzte sich, und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er aber fing an, ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren! – Lukas 4,20-21

Er hat das Evangelium von dem Reich verkündigt.

    • Der Unterschied zwischen Lehren und Verkündigen besteht darin, dass Verkündigen eine überzeugende Rede ist.

Und er sprach zu ihnen: Gewiss werdet ihr mir dieses Sprichwort sagen: Arzt, heile dich selbst! Die großen Taten, von denen wir gehört haben, dass sie in Kapernaum geschahen, tue sie auch hier in deiner Vaterstadt! Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet ist anerkannt in seinem Vaterland. In Wahrheit aber sage ich euch: Es waren viele Witwen in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate lang verschlossen war, da eine große Hungersnot entstand im ganzen Land; und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt, sondern nur zu einer Witwe nach Zarpat bei Zidon. Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa; aber keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naeman, der Syrer. – Lukas 4,23-27

    • Beachte den Unterschied darin, wie sie auf die Lehre reagiert haben und wie sie auf die Verkündigung reagiert haben.

Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen, und sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs? – Lukas 4,22

Da wurden alle in der Synagoge voll Zorn, als sie dies hörten. Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen. Er aber ging mitten durch sie hindurch und zog weiter. – Lukas 4,28-30

Er hat jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk geheilt.

    • Er hat Aussätziger geheilt.
    • Er hat Gelähmter geheilt.
    • Er hat die, die an Fieber erkrankt war geheilt,.
    • Er hat einer blutflüssigen Frau geheilt.
    • Er hat Blinde geheilt.
    • Er hat Stumme geheilt.
    • Er hat Besessene geheilt.
    • Er hat eine entschlafene Mädchen auferweckt.
    • Er viele ihrer Sünden vergeben.

Da er ständig im Dienst tätig war, haben sich das gewirkt, was er gesehen hat, sehr auf ihn aus. Seine Augen beeinflussten sein Herz!

Was ich sehen muss, tut meiner Seele weh wegen aller Töchter meiner Stadt. – Klagelieder 3,51

Was hat er gesehen?

    • Er hat die Volksmenge gesehen.
    • Er hat gesehen wie ermattet sie waren.
    • Er hat gesehen wie vernachlässigt sie waren.
    • Er hat gesehen das es keinen Hirten gegeben hat.

Wie hat Jesus auf die Situation reagiert?

Er hat Mitleid mit ihnen empfunden.

Zwei Blinde in Jericho

Und Jesus stand still, rief sie und sprach: Was wollt ihr, dass ich euch tun soll? Sie sagten zu ihm: Herr, dass unsere Augen geöffnet werden! Da erbarmte sich Jesus über sie und rührte ihre Augen an, und sogleich wurden ihre Augen wieder sehend, und sie folgten ihm nach. – Matthäus 20,32-34

Die Witwen, deren Sohn gestorben war

Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte den Sarg an; die Träger aber standen still. Und er sprach: Junger Mann, ich sage dir: Steh auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. – Lukas 7,13-15

Der Samariter

Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen; und er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. – Lukas 10,33-34

Der verlorene Sohn

Er kam aber zu sich selbst und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber verderbe vor Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen; und er lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. – Lukas 15,17-20

Er erklärte das Problem.

Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. – 37

Sagt ihr nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht die Felder an; sie sind schon weiß zur Ernte. – Johannes 4,35

Er erläuterte die Lösung.

Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende! – 38

Und wer erntet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich der Sämann und der Schnitter miteinander freuen. Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät, der andere erntet. Ich habe euch ausgesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten. – Johannes 4,35-38

Wer weinend hingeht und den Samen zur Aussaat trägt, der kommt gewiss mit Freuden zurück und bringt seine Garben. – Psalm 126,6

Beeinflussen deine Augen dein Herz?